Umweltminister: Viel Verständnis für den Widerstand gegen die geplante Abholzung in Fuhrenkamp und die Kritik am Leitungsbau in Bockhorn
Zetel/Bockhorn. Viel Verständnis äußerte der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer für die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger um den Fuhrenkamper Wald. „Die Forstverwaltung hat sich ohne Kenntnis der zuständigen Ministerien vertraglich an ein Unternehmen gebunden. Jetzt suchen wir nach geeigneten Landesflächen, bei denen Sand ohne Waldrodung abgebaut werden kann, quasi im Tausch für Fuhrenkamp“, erläuterte Meyer das Dilemma.

Wenn es nach den Plänen der Landesforsten geht, sollen hier rund 50 Hektar Waldfläche gerodet werden, um Quarzsand abbauen zu können. Der Umweltminister hatte sich dabei vor Ort im Wald die Situation von den Zeteler Ratsherren der Grünen Wilhelm Wilken, Jürgen Konrad und Bernd Janssen sowie der Grünen Kreisvorsitzenden Dr. Jutta Helmerichs erläutern lassen. Hier gibt es sowohl naturschutzrechtliche als auch wasserrechtliche Bedenken gegen die Eingriffe in den Wald. „Das Grundwasser ist unser höchstes Gut. Wenn hier eingegriffen wird, drohen Schadstoffe durch die Munitionsreste im Boden ins Grundwasser zu gelangen. Das macht uns Angst“, drückte eine Bürgerin vor Ort ihre Ängste aus. Der Umweltminister nahm sich dabei bei seinem Besuch in Fuhrenkamp und einem Gang durch den Wald viel Zeit für die Anregungen und Sorgen der Menschen.
Beim anschließenden Bürgerdialog im Zeteler Mehrgenerationenhaus ging es vor allem um den Bau von Windkraftanlagen und den Leitungsbau durch Bockhorn. Vertreter des Vereins „Gegenwind Bockhorn“ kamen mit Umweltminister Meyer über den geplanten Windpark in Grabstederfeld ins Gespräch. Meyer verwies darauf, dass das Land nur die Rahmenbedingen und die Quoten der auszuweisen Flächen für die Nutzung durch Windkraftanlagen festgelegt habe: „Die Entscheidungen über die konkrete Umsetzung und die Ausweisung von Flächen werden vor Ort getroffen“, begründete er den rund 70 Besucherinnen und Besuchern seine Haltung. Bei der von der Kreisvorsitzenden Dr. Jutta Helmerichs moderierten Diskussion begründete die Bockhorner grüne Ratsfrau Waltraud Voß ihre Ablehnung des Windparks in Grabstederfeld: „Mich haben letztlich die Bedenken der unteren Naturschutzbehörde überzeugt.“
Ein weiteres Thema war der Leitungsbau in Bockhorn durch das Wohngebiet Am Urwald. Der Sprecher der Bürgerinitiative „Bockhorn unter Hochspannung“ brachte die Sorgen der Menschen zum Ausdruck. „Alle Leitungen müssen durch diesen Flaschenhals. Von der 380 KV-Leitung sind rund 600 Bewohner betroffen. Nach den bisherigen Planungen soll die Leitung direkt über ihren Köpfen entstehen.“ Der Sprecher der Bürgerinitiative plädierte für eine Erdverkabelung an dieser Stelle, auch wenn das mehr Geld kostet. „Wir müssen den Druck auf Tennet erhöhen, sonst bewegt sich nichts.“ Christian Meyer zeigt viel Verständnis für die Erdverkabelung und verwies darauf, dass dies auch aus Gründen der Sicherheit gegen möglich Angriffe wichtig sei: „Wir brauchen mehr Resilienz und Schutz unserer kritischen Infrastruktur. Da gehört die Erdverkabelung unbedingt dazu.“
Angesichts des Ausbau der erneuerbaren Energien plädierte der Umweltminister dafür, die Windkraftanlagen zu konzentrieren, „sowohl aus Kostengründen als auch, um den Flächenverbrauch zu minimieren“. Außerdem sprach er sich für den Bau weiterer Batteriespeicher und die Konzentration der Wasserstoffproduktion an der Küste aus: „Die gehört da hin, wo der Strom produziert wird.“
Am Ende der immer sachlichen Diskussion gingen sowohl die Besucherinnen und Besucher als auch die Fachleute mit einem guten Gefühl nach Hause: „Das war ein Minister, der sich Zeit genommen hat, und er hat wirklich zugehört.“

