Mutige Ideen für Jevers Mitte: Städteplaner Weydringer stößt Debatte über die Zukunft der Innenstadt an
Beim öffentlichen politischen Stammtisch des Ortsverbands Jeverland von Bündnis 90/Die Grünen stand im Februar ein Thema im Mittelpunkt, das viele Kommunen beschäftigt: die Zukunft einer lebendigen Innenstadt. Als Referent begrüßten Almuth Thomßen und Reiner Tammen von den Grünen Jeverland den Architekten und Städteplaner Herbert Weydringer, der mit Analysen, Kartenmaterial und Praxisbeispielen aus der Region Einblicke in aktuelle Entwicklungen gab.

Gleich zu Beginn spannte Weydringer den Bogen zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Zwar sehnten sich die Menschen nach attraktiven Stadtzentren, tatsächlich werde jedoch ein wachsender Anteil der Einkäufe online erledigt - und das generationenübergreifend. Innenstädte müssten daher neue Funktionen übernehmen, um weiterhin Anziehungspunkte zu bleiben.
Anhand von Untersuchungen aus Wittmund, Jever und weiteren Grundzentren erläuterte der Planer Zusammenhänge zwischen Einzelhandel, Laufwegen und städtebaulichen Steuerungsinstrumenten. Kommunen könnten über Planungsrecht und Bebauungspläne gezielt Einfluss auf Nutzungen, Aufenthaltsqualität und Erscheinungsbild nehmen.
Anhand detaillierter Pläne zeigte Weydringer Veränderungen im Jeverschen Stadtbild auf, machte Leerstände sichtbar und benannte zugleich funktionierende Lagen. Im regionalen Vergleich stehe Jever weiterhin relativ gut da. Besonders der Kirchplatz wurde von ihm trotz aktueller Leerstände als „Juwel“ bezeichnet, das durch neue Nutzungen und gastronomische Angebote, insbesondere Außengastronomie, stärker belebt werden könne. Veranstaltungen und Tourismus seien zusätzliche Frequenzbringer.
Große Bedeutung maß er dem Zusammenspiel der vier Kernbereiche Kirchplatz, Wasserpfortstraße, Schlachtstraße und Alter Markt bei. Die eingerichtete Begegnungszone sei ein wichtiger Schritt zur Verbindung dieser Lagen gewesen, müsse jedoch weitergedacht werden. Aus dem Publikum kam deshalb der Vorschlag, die Zone bis zur großen Kreuzung am Alten Markt auszudehnen.
In seinem Fazit betonte Weydringer, dass Gewerbetreibende, Immobilieneigentümer und Kommunen jetzt gemeinsam und zügig handeln müssten. Innenstädte könnten künftig wieder zum unverzichtbaren „Place to be“ werden, also als Orte, an denen es Besonderes zu sehen, zu erleben und zu kaufen gebe. Neue Kombinationen aus Handel, Dienstleistungen, Gastronomie, Bildung, Kommunikation und Kunst seien dabei entscheidend.
Die Veranstaltung war von Thomßen und Tammen bewusst offen angelegt worden. Neben Bürgerinnen und Bürgern nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Ratsfraktionen, darunter CDU, SPD und Freie Wähler, sowie Akteure aus Verwaltung und Einzelhandel teil. Auch Christian Pohl, Straßensprecher der „Langen Meile“, brachte sich ein. Der Butenjeveraner Hermann Luiken zeigte sich vom Vortrag beeindruckt und berichtete ergänzend von Erfahrungen aus seiner neuen Heimatstadt Stade. Nach dem Vortrag von Herbert Weydringer entstand eine lebhafte Diskussion mit dem Referenten sowie unter den Gästen. Weitere Informationen unter https://gruene-friesland.de/.