Kreisverband, Jeverland

Integration von Zugewanderten in den friesischen Arbeitsmarkt: „Arbeit des Jobcenter Friesland ist eine Erfolgsgeschichte“ - Andreas Bruns und Wencke Burkhardt beim Politischen Stammtisch der Grünen in Jever

24.09.2026 · von Rüdiger Schaarschmidt

Das Jobcenter Friesland zieht eine positive Bilanz seiner strategischen Ausrichtung zur Integration von geflüchteten und zugewanderten Menschen in den regionalen Arbeitsmarkt. 

Initiatorin und Moderatorin Almuth Thomßen (Mitte) bedankt sich nach dem Vortrag bei den beiden Referenten. 

Bei einem sehr gut besuchten politischen Stammtisch der Grünen in Jever unter der Moderation von Almuth Thomßen hat der Leiter des Jobcenters Friesland, Andreas Bruns und seiner Stellvertreterin Wencke Burkhardt aufgezeigt, wie sie mit ihrer Arbeitsoffensive Friesland erfolgreich dem Fachkräftemangel positiv begegnen. Statt auf schnelle, kurzfristige Vermittlungen setzt das Jobcenter bewusst auf eine qualitätsorientierte und nachhaltige Integration. 

Aktuell betreuen rund 95 Mitarbeitende in Jever und Varel insgesamt mehr als 4.200 Leistungsbeziehende. Das Jahresbudget des Jobcenters wird im Wesentlichen vom Bund finanziert. Dass sich die investierten Mittel auszahlen, belegen die aktuellen Kennzahlen: Die Gesamtintegrationsquote lag im Jahr 2025 bei 25,4 Prozent, mit spürbaren Anstiegen insbesondere bei ausländischen Leistungsbeziehenden und Geflüchteten. Besonders erfolgreich ist das Jobcenter bei der Nachhaltigkeit: Mehr als zwei Drittel der aufgenommenen Beschäftigungen dauern länger als sechs Monate an.

Als entscheidenden Erfolgsfaktor nannten Andreas Bruns und Wencke Burkhardt die enge kommunale Einbindung. Durch die organisatorische und räumliche Nähe zur Ausländerbehörde des Landkreises sowie kurze Dienstwege zu Jugend- und Ordnungsamt können bürokratische Hürden schnell abgebaut werden. Im Beratungsalltag gehörten dabei digitale Werkzeuge wie Videodolmetschen und Übersetzungs-Apps längst zum Standard.

Bruns und Burkhardt stellten als zentralen Baustein der Strategie die aktive und dezentrale Ansprache der Unternehmen in Friesland vor. Durch direkte Anschreiben, kurze Wege zum Arbeitgeberservice und lokal organisierte Jobmessen wurde das Matching zwischen Arbeitssuchenden und Betrieben entscheidend verbessert. Die Job-Messen mit hohe Teilnehmerzahlen führten regelmäßig zu zahlreichen direkten Einstellungen, Praktika und Qualifizierungen. Aufgrund dieses Erfolgs hat das Jobcenter beschlossen, die dezentralen Jobmessen fortzuführen und künftig für alle Leistungsbeziehenden im Landkreis zu öffnen.

Wie eine Integration in der Praxis gelingt, konnten Bruns und Burkhardt mit konkreten Erfolgsgeschichten aus Friesland belegen: So fand ein Unternehmen aus Sande einen Fahrzeugpfleger über den direkten Kontakt auf einer Jobmesse und den begleitenden Einsatz von Dolmetscher-Technik eine feste Anstellung. Im Pflegebereich und bei der Gewinnung von Busfahrern führten verkürzte Nachqualifizierungen und Praktika zu direkten Übernahmen in Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse. Die beiden Fachleute aus dem Jobcenter betonten, dass solche praxisorientierten Wege oft sehr viel schneller zum Ziel führen als langwierige formale Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse.

Trotz der Erfolge sieht sich das Jobcenter mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Lange Wartezeiten auf Sprachkurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie langwierige Anerkennungsverfahren bei reglementierten Berufen bremsen den Integrationsprozess immer wieder aus. Um die Maßnahmen langfristig zu verstetigen, fordert das Jobcenter von der Bundespolitik mehr finanzielle Planungssicherheit für die Integrationsinstrumente sowie eine bessere Koordination zwischen dem BAMF, den Jobcentern und den Kommunen.

Dem Vortrag von Andreas Bruns und Wencke Burkhardt schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem rund 30 Gästen des Abends an. Dabei kam immer wieder zur Sprache, wie wichtig zugewanderte Arbeitskräfte für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in Friesland geworden sind. Ungeachtet aller politischen Diskussionen, die oft ohne hinreichende Sachkenntnis geführt werden, wird das Jobcenter Friesland seine Integrationsoffensive intensiv fortsetzen. Neben der Weiterführung der erfolgreichen Jobmessen und gezielter Förderungen soll auch die Kooperation mit den Kammern und Bildungsträgern weiter vertieft werden, um die regionale Wirtschaft nachhaltig zu stärken. Weitere Informationen unter https://gruene-friesland.de/.


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