Kreisverband, Sande, Schortens

„Grüner Wasserstoff ist systemdienlich und sorgt für niedrigere Netzentgelte“: Besuch von Dr. Alaa Alhamwi MdB und grünen Kreispolitikerinnen im Hybriden Energiepark Sande bringt Schwung in die aktuelle Diskussion

29.08.2025 · von Rüdiger Schaarschmidt

Nicht nur um den Baufortschritt, sondern auch um aktuelle energiepolitische Themen ging es beim Besuch des Oldenburger Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/ Die Grünen, Dr. Alaa Alhamwi und grünen Kreispolitikerinnen aus Friesland in diesen Tagen bei Friesen Elektra in Sande. In der Rentei des Schloss Gödens ließen sie sich vom Initiator und Bauherrn Maximilian von Wedel und Yannis Fischer, Projektleiter des ENERGY HUB Office über den derzeitigen Stand der Planungs- und Umsetzungsarbeiten für den Hybriden Energiepark Sande von Friesen Elektra informieren.

Maximilian von Wedel, Dr. Alaa Alhamwi (links), Yannis Fischer, Dr. Jutta Helmerichs, Reiner Tammen und Martina Esser (von rechts). 

Dabei zeigte sich, dass aktuell in der grünen Energiewirtschaft eine große Verunsicherung herrscht. Derzeit stockt der Hochlauf der Wasserstoffprojekte offenbar daran, dass die neue Bundesregierung noch nicht weiß, wohin sie will. Die Signale, die Wasserstoffproduktion konsequent zu fördern fehlen – stattdessen forciert die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vor allem den Bau neuer Gaskraftwerke. 
Schon seit einigen Jahren ist es so, dass große Windkraftanlagen immer dann abgeschaltet werden, wenn zu viel Strom produziert wird. Die Kosten für den nicht gelieferten Strom werden dann über die Netzentgelte auf den Strompreis aufgeschlagen und müssen sowohl von privaten Haushalten als auch von der Industrie gezahlt werden. 

Sowohl Maximilian von Wedel als auch Yannis Fischer plädierten deshalb dafür, bei Überproduktion den Windstrom nicht mehr abzuschalten, sondern direkt in die Elektrolyse zur Produktion von grünem Wasserstoff umzuleiten: „Dann würden zugleich die Netzentgelte sinken.“ Die beiden Energiemanager setzen sich deshalb in der aktuellen politischen Diskussion auf Bundesebene dafür ein, als Ausgleich für die Förderung neuer Gaskraftwerke im Süden Deutschlands im Norden gleichermaßen als Anschub eine Förderung der Wasserstoffindustrie auf den Weg zu bringen. 

Die grüne Fraktionsvorsitzende im friesischen Kreistag, Martina Esser, griff diesen Ball der Energieexperten auf: „Wir brauchen jetzt nicht nur eine grüne Energiepolitik, sondern wir müssen auch mit den Haushältern reden. Die jetzt erforderlichen Investitionen für die Förderung von Wasserstoff werden sich mehr als rechnen, über dann geringere Netzentgelte, weil der Windstrom nicht mehr abgeschaltet werden muss, sondern abgezapft werden kann zur Herstellung und Speicherung von grünem Strom.“ Esser weiter: „Die Produktion von Wasserstoff ist deshalb systemdienlich, weil so die Kosten reduziert werden können.“ Und Dr. Jutta Helmerichs ergänzte: „Wir sind sehr froh, dass wir hier in Friesland Vorreiter für grünen Wasserstoff sind. Jetzt ist der Bund am Zuge, damit sich diese Entwicklung verstetigt und nicht ins Stocken gerät.“ 

Sowohl Martina Esser und die friesische Kreisvorsitzende der Grünen Dr. Jutta Helmerichs ebenso wie Maximilian von Wedel und Yannis Fischer appellierten deshalb an Dr. Alaa Alhamwi MdB, diese Zusammenhänge in die politische Diskussion in Berlin einzubringen. 

Auf über 140 Hektar sind im Hybriden Energiepark Sande hier derzeit neben 8 Hochleistungswindenergieanlagen mit insgesamt 22,3 Megawatt Leistung aktuell mehr als 200.000 Freiflächen-Solarmodule mit einer Gesamtleistung 134 Megawatt Leistung montiert. Die im Hybriden Energiepark Sande produzierte elektrische Energie reicht aus, um den gesamten Landkreis Friesland mit Strom zu versorgen. In den nächsten Jahren soll hier im großen Stil eine Wasserstoffproduktion mit Hilfe von Elektrolyse aus nicht benötigtem Wind- und Solarstrom entstehen. Dann könnte der friesische Wasserstoff perspektivisch den Energiebedarf der freien Hansestadt Hamburg decken und sogar mehr. Weitere Informationen unter kreisverband@gruene-friesland.de.

Weitere Informationen zum Thema Wasserstoff: https://www.isi.fraunhofer.de/de/presse/2024/presseinfo-26-internationale-wasserstoffwirtschaft-h2-potenzialatlas.html


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