Grüner Besuch in der größten Moor-Photovoltaikanlage Deutschlands: der Grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Alaa Alhamwi im Gespräch mit Fachleuten in Varel
Im Mai wurde in Varel auf den Flächen der Landwirte Lars Kaper und Andreas Rengstorf sowie weiteren gepachteten Flächen Deutschlands größter Moor-Solarpark offiziell eröffnet, bereits seit Anfang des Jahres liefert die Anlage Strom. Seitdem häufen sich die Besuche bei diesem friesischen Vorzeigeprojekt. Auf seiner Sommertour durch Nordwestniedersachsen hat jetzt auch der grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Alaa Alhamwi aus Oldenburg die Anlage besucht.

Begrüßt wurde der Bundestagsabgeordnete durch die Kreisvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen in Friesland, Dr. Jutta Helmerichs. Mit dabei in der Gesprächsrunde auf dem Hof von Lars Kaper waren neben Dr. Alhamwi und Lars Kaper dessen Projektkollege Olaf Schmidt, der sich im Vorstand des PV-Projekts vor allem um die Bürgerenergiegenossenschaft kümmert, außerdem Michael Lehmann von der Energiegenossenschaft Wittmund, Varels Bürgermeister Gerd-Christian Wagner, Dr. Jutta Helmerichs und Linn Söderberg-Szymanski, Spitzenkandidatin der Grünen in Varel.
Bei seiner Sommertour legt Dr. Alhamwi den thematischen Fokus in diesem Jahr auf die Verbindung von Energie und Demokratie. Bürgerenergiegenossenschaften sind damit ein gutes Beispiel für eine Schnittstelle der beiden Themen, indem sie Energie quasi demokratisieren und in die Hände von Bürgerinnen und Bürgern bringen.
Die ersten Gespräche mit der Stadt Varel für dieses PV-Großprojekt direkt neben Autobahn und Bahnstrecke liegen bereits 5 Jahre zurück. In der Stadt und bei Bürgermeister Gerd-Christian Wagner stießen die Ideen von Lars Kaper und seinen Mitstreitern von Beginn an auf offene Ohren. Den Projektpartnern kam es bei ihrer Planung von Beginn an auf eine hohe Akzeptanz und eine entsprechende Bürgerinnenbeteiligung an. Der PV-Solarpark im Moor wird jetzt unter anderem von einer Bürgerenergiegenossenschaft getragen. So haben sich 150 Bürgerinnen und Bürgern aus Varel und darüber hinaus mit Einlagen zwischen 500 und 20.000 € beteiligt. Auch die Stadt selbst hat eine Einlage gezeichnet. Allerdings waren bei der Gründung der Genossenschaft nach Auskunft von Lars Kaper und Olaf Schmidt zahlreiche bürokratische Hürden zu überwinden. Dr. Alaa Alhamwi versprach, sich im Bundestag für einen Abbau der bürokratischen Hindernisse bei der Gründung von Energiegenossenschaften einzusetzen. Dr. Alaa Alhamwi: „Diese Form der Bürgerbeteiligung kann die Akzeptanz solcher Anlagen in der Bevölkerung ganz erheblich erhöhen.“
Inzwischen denken die Projektpartner auch über den Bau zusätzlicher Batteriespeicher nach. In der Folge gibt es nach Auskunft von Bürgermeister Gerd-Christian Wagner bereits mehrere Anfragen von Unternehmen, die Strom aus dem PV-Energiepark beziehen möchten. „Die Netzbetreiber sind hier allerdings ein großer Hemmschuh“, stellte der Bürgermeister fest. Ein zentrales Problem ist der fehlende Netzausbau, der in der Folge auch den Ausbau der erneuerbaren Energien ausbremst. Der grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Alaa Alhamwi beklagte, dass die Energiepolitik der aktuellen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche offenbar genau dies beabsichtigt. Lars Kaper, als Landwirt einer der Projektpartner, wies auf die große Wertschöpfung hin, die in der gesamten Energiebranche liegt.
In der Grünen Bundestagsfraktion ist Dr. Alhamwi als Mitglied des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie vor allem Energiethemen und Stromnetze zuständig. Im Austausch mit den Fachleuten vor Ort ging es deshalb darum zu ermitteln, welche Möglichkeiten und Hindernisse es für Projekte wie das in Varel gibt. Insgesamt geht es Dr. Alhamwi bei seiner gesamten Sommertour vor allem darum, zuzuhören und Stimmen und Stimmungen sowie Feedback der Menschen vor Ort einzuholen, um sie in Berlin besser vertreten zu können.
Das wegweisende Projekt verbindet eine rund 50 Hektar große Freiflächen- und Agri-PV-Anlage mit der Wiedervernässung eines sauren Moorbodens. Damit wird zweierlei erreicht: Die CO2-Emissionen sinken und gleichzeitig lässt sich grüner Strom erzeugen. Die PV-Anlage steht auf einem Gelände etwa so groß wie 40 Fußballfelder und soll mit einer Leistung von ca. 39 MWp Strom für über 9.000 Haushalte liefern. Jährlich können so 23.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Weil die Anlage auf einer wieder vernässten Moorfläche steht und das Gelände weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden kann, ist es ein Innovationsprojekt, das bundesweit Maßstäbe setzt. Unter den aufgeständerten Modulen ist teilweise mehr als zwei Meter Platz. Dadurch können dort auch Rinder oder Schafe weiden. Außerdem lässt sich die Fläche weiterhin mähen.
Zugleich wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Forscher der Universität Greifswald ermitteln dabei, wie sich die CO2-Emissionen auf der wieder vernässten Fläche mit den PV-Modulen verändern. Außerdem beobachten die Wissenschaftler, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt auf dem Gelände der Moor PV-Anlage in den kommenden Jahren entwickelt.
Weitere Informationen unter kreisverband@gruene-friesland.de