Kreisverband, Bockhorn, Varel, Zetel

Grüne und andere setzen starkes Zeichen gegen die rechtsextreme AfD in Zetel

24.11.2025 · von Rüdiger Schaarschmidt

Ausgerechnet am Totensonntag hatte die AfD zu einem Bürgerdialog in die Alte Feuerwehr nach Zetel eingeladen. Ohne Respekte vor der besonderen Würde eines solches Tages, an dem die Menschen ihrer Toten gedenken und der deshalb auch im staatlichen Recht einen besonderen Schutz genießt, hatten die Verantwortlichen der AfD die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundesfraktion, Beatrix von Storch eingeladen. Vor dem Tagungsort demonstrierte ein breites Bündnis gegen den Aufmarsch der Rechten in Zetel. 

Jan Szymanski , Co-Sprecher der Grünen in Varel, bei seiner Rede.

Über 500 Menschen waren gekommen, um der rechtsextremen AfD die rote Karte zu zeigen. Darunter eine große Gruppe von Bündnis 90 / Die Grünen im Landkreis Friesland. Einer der beiden Sprecher der Grünen in Varel, Jan Szymanski hielt eine engagierte Rede, die wir hier im Wortlaut dokumentieren: 

„Totensonntag und AfD. Das finde ich ganz passend. Auch andere Antifaschist:innen haben sich das wohl gedacht. Aus diesem Grund zieren den Weg zur alten Feuerwache besondere Schleifen. Auf jeder von ihnen befindet sich ein Name. Es sind Namen der mehr als 221 Mordopfer, die seit 1990 rechten Gewalttäter:innen zum Opfer fielen. So zählt es bis heute die Amadeu Antonio Stiftung.

Besonders kritikwürdig ist ein großer Unterschied zwischen dieser Zahl und der offiziellen Zählung durch das BKA. Die offizielle Zählweise liegt deutlich darunter. Nicht, weil es die Morde nicht gegeben hat, sondern weil das Kriterium für die Anerkennung als Opfer rechter Gewalt beim BKA enger gefasst ist. Dort muss das rechtsextreme Weltbild tatauslösend sein. Dass menschenfeindliche Grundeinstellungen aber auch eskalierend und tatbegleitend sind, wird beim BKA bisher nicht gesehen. Rechtsextremismus beruht auf vielen menschenfeindlichen Einstellungen. Von denen möchte ich einige ausgewählte hier vorstellen.

Da ist zum einen der Rassismus. Aufgrund bestimmter Merkmale werden Menschen klassifiziert und meist abgewertet. Die eigene Gruppe wird extrem aufgewertet und als überlegen angesehen. Wer nicht zu der jeweiligen Rasse zugehörig gelesen wird, wird klein gemacht und kann angegriffen werden.

Ein weiteres Beispiel ist Misogynie. Das ist das Beharren auf Ungleichwertigkeit von Mann und Frau. Frauen werden auf allen Ebenen als weniger wert behandelt. Auch hier ist die Zielsetzung, Menschen klein zu halten und sie wehrlos und angreifbar zu machen. Diese Liste lässt sich mit vielen Begriffen weiterführen. Antisemitismus. Sexismus. Islamfeindlichkeit. Querfeindlichkeit. Obdachlosenfeindlichkeit, Ableismus sowie Diffamierung und Hetze gegen Andersdenkende.

Überall funktioniert derselbe Mechanismus. Menschen werden aufgrund eines oder mehrerer Merkmale abgewertet. Im schlimmsten Fall entsteht daraus eine breite Entsolidarisierung. Derart geschwächt werden einzelne Menschen als vermeintliche Angehörige dieser Gruppen angegriffen.

Die AfD treibt diese Entsolidarisierung voran und profitiert davon. Der Wert eines Menschen wird an Faktoren wie bspw. Herkunft und Einkommen gekoppelt. Der Nationalsozialismus wird verharmlost. Diese Tabubrüche schaffen ein Klima, das Gewalttaten begünstigt. Seit 2019 ist wieder ein Anstieg rechter Gewalttaten zu beobachten. Mittlerweile geschehen pro Tag vier Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund. Es ist klar: Hetze gegen sogenannte Minderheiten, gegen die Vielfalt unserer Gesellschaft, sie führt immer zu Gewalt gegen die als nicht passend denunzierte Gruppe. 

„They hate who is different, they kill what is small“, das ist die Formel, wie rechter Terror funktioniert. Die einen hetzen gegen Menschen, die anderen hetzen und töten Menschen. Deshalb stehen wir heute hier. Wir lassen nicht zu, dass diese Hetze in unserer Gesellschaft unwidersprochen bleibt. Wir lassen nicht zu, dass diese Hetze in unserer Gesellschaft ungehindert Platz findet. Wir wissen: wer eine bestimmte Gruppe angreift, greift uns alle an. 

Treten wir dieser Hetze überall entgegen. Entfernen wir rechte Aufkleber. Lachen wir nicht mehr über Witze, die Menschen abwerten. Widersprechen wir zu Weihnachten und an anderen Familienfesten rassistischen Äußerungen. 

Der Friede ist da gestört, wo die Grenze zur Menschenfeindlichkeit überschritten wird, nicht erst da, wo wir dies stoppen. Rassismus und Menschenfeindlichkeit müssen wieder geächtet werden. Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig. Das vergessen viele aufgrund ihres eigenen grauen Alltags. Genau an diesen Stellen bekommt unsere Gesellschaft Risse. Plötzlich befinden wir uns in unsäglichen Stadtbilddebatten, obwohl wir eigentlich gerade dabei waren, unsere Werte wie Menschlichkeit und Solidarität wiederzuentdecken.

Lasst uns gemeinsam die Demokratie verteidigen, indem wir den jetzigen Zustand nicht konservieren. Wir müssen Demokratie weiter entwickeln. Wir müssen weiter an ihr arbeiten, dass sie wirklich für alle Menschen ein Zuhause bietet. Wir müssen sie menschlicher, freundlicher und mitfühlender machen. Und das geht an alle, die dort in der Feuerwache sind: Sie persönlich sind nicht unsere Feinde.

Aber wir dulden Ihre Ansichten nicht. Hören Sie auf, sich auf Ungerechtigkeiten auszuruhen. Sie selbst werden nicht größer, wenn Sie andere kleinmachen. Hören Sie auf mit Ihrer Hetze. Erinnern Sie sich an Ihre Menschlichkeit. Kehren Sie dem Faschismus den Rücken! Nie wieder ist jetzt.

Diesmal müssen wir mutiger sein.

Diesmal werden wir mehr sein.

Diesmal werden sie nicht durchkommen.

Auch wenn Geschichte sich reimt, wir schreiben das Gedicht jetzt um.

Für eine Zukunft für alle Menschen!“


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