Kreisverband, Bockhorn, Zetel

Gegen das Vergessen: Gedenken an die Deportation und Ermordung der Sinti in Zetel vor 83 Jahren

10.03.2026 · von Rüdiger Schaarschmidt

Rund 20 Bürgerinnen und Bürger aus Zetel und darüber hinaus versammelten sich am vergangenen Sonntag, am 8. März zu einem besonderen Gedenken. An diesen Tag, der ansonsten überall vor allem als Weltfrauentag gefeiert wird, geschah vor 83 Jahren, am 8. Mai 1943 ein fürchterliches Verbrechen: Damals wurde die gesamte Sinti-Familie Frank von den Nazis verhaftet und in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Darunter war das Ehepaar Grete Frank, geborene Franz und Georg Frank sowie ihre Kinder Frieda, Ella, Hans, Otto, Anton und Ursula sowie Margot Franz deren Tochter Angela Frank. Nur Margot und Anton Franz überlebten. Anton Franz hat sich nach dem 2. Weltkrieg stark für die Interessen der Sinti und Roma eingesetzt. Außerdem hat er in Schulen von seinen Erlebnissen währen der Nazizeit berichtet. 

Das Gedenken an die deportierten und ermordeten Sinti aus Zetel gehört für die Zeteleer Grünen zu den wichtigen Terminen im Jahr

Der Zeteler Ratsherr Wilhelm Wilken begrüßte die Anwesenden, unter ihnen die Leiter des Jeverschen Schlossmuseums, Prof. Dr. Antje Sander, den Vorsitzenden des Vareler Heimatvereins Hans Begerow, den Zeteler 1. Gemeinderat Michael Röben und die Vorsitzende des Kreisverbandes Friesland von Bündnis 90 / Die Grünen, Dr. Jutta Helmerichs. Anschließend erinnerte er an das Schicksal der beiden Familien Frank und Franz, die damals in Zetel-Bohlenberge lebten. 

Nach einem Gedicht von Santino Spinelli über das Leben in Ausschwitz, vorgetragen vom Ratsherrn Bernd Janssen las sein Ratskollege Jürgen Konrad die Namen der Deportierten vor. Wilhelm Wilken richtete anschließend mahnende Worte an die Gedenkgemeinde, indem er den Historiker Götz Aly zitierte: „Der Krieg wurde von den Nazis als politisches Integrationsmittel benutzt, der die Menschen zusammenrücken lässt und gefügig macht, gepaart mit dem den Nazis eigenen Rassismus, alle ständig der Propaganda ausgesetzt: Alles sogenannte Nichtarische wurde verdammt und sollte der Vernichtung zuführen werden.“ Anschließend schlug Wilhelm Wilken die Brücke zur Gegenwart: „Wir leben nicht im Krieg sondern vielfach im Wohlstand in einer ungerechten Welt. Der Krieg ist weit weg, für viele gar nicht Wirklichkeit. Doch die Nationalisten und Rassisten auch hierzulande scharren mit den Füssen, sie sind offenbar zum Angriff auf die Demokratie und auf unsere Art des Zusammenlebens und Miteinanderlebens bereit. Wir sollten nicht teilnahmslos und feige werden und uns als nicht Menschen auseinandertreiben lassen.“ 

Wilkens beiden Ratskollegen bekräftigten diesen Appell mit einem Text von Martin Niemöller und einem Gedicht von Günter Eich. Anschließend traf sich die Gedenkgemeinde zum Austausch im Zeteler Heimat Hus.


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