Kreisverband, Varel

Frauen!Macht!Politik! – Ein Abend der Grünen in Friesland über Realität, Rückhalt und politische Stärke

30.11.2025 · von Linn Söderberg-Szymanski

Mehr als die Hälfte der Wählerinnen sind Frauen, doch an den Schaltstellen der Macht und Politik sitzen nur wenige von ihnen. Noch immer sind alle Parlamente auf Bundes-, Lands- und kommunaler Ebene männerdominiert. Im aktuellen Bundestag sind weniger als ein Drittel der Mandate von Frauen besetzt, im niedersächsischen Landtag sieht es nicht viel besser aus, ebenso wie im Kreistag sowie in den friesischen Kommunen. Während der Frauenanteil im Stadtrat von Jever immerhin 42 % und im Wangerland noch 40 % beträgt, sind es in den übrigen friesischen Kommunalparlamenten zwischen 21 und 37 %. Das traurige Schlusslicht bildet der Stadtrat von Schortens: Hier ist nur jedes 7. Ratsmitglied eine Frau.

Unter dem Titel „Frauen!Macht!Politik!“ fand deshalb im November im Kulturzentrum „Tabula Magica“ in Varel ein frauenpolitischer Abend von Bündnis 90 / Die Grünen in Friesland statt. Zu Beginn gab es ein Podiumsgespräch, das weniger auf große Thesen setzte als vielmehr auf ehrliche Erfahrungen. Genau das machte den Abend nach Eindruck der zahlreichen Teilnehmerinnen so eindrücklich. 

Nachdem der Begrüßung durch die Kreisvorsitzende Dr. Jutta Helmerichs hat die frauenpolitische Sprecherin der Grünen in Friesland, Linn Söderberg-Szymanski im Podiumsgespräch mit der langjährigen Landtagsabgeordneten und früheren Vizepräsidentin des Niedersächsischen Landtages, Meta Janssen-Kucz sowie der grünen Fraktionsvorsitzenden im Kreis Friesland, Martina Esser intensive Einblicke in die praktische Politik aus weiblicher Perspektive herausgearbeitet. Offen und ehrlich berichteten die beiden gestandenen Politikerinnen über Machtspielchen und wirksame, stützende Strukturen, die ihnen in ihrem politischen Wirken begegnet sind. 

Politik aus weiblicher Perspektive 

Schnell wurde klar: Die Arbeit als Frau in der Politik bedeutet noch immer, sich in einem Klima zu bewegen, das oft alles andere als neutral ist. Abwertungen, unterschwelliger Sexismus, Infragestellung von Kompetenz, persönliche Angriffe - vieles davon ist alltäglich, unabhängig davon, ob man in der Kommunalpolitik oder auf Landesebene arbeitet. 

Die geschilderten Erfahrungen waren sehr unterschiedlich, aber sie folgten ähnlichen Mustern. Deutlich wurde auch, wie viel zusätzliche Kraft es kostet, politisch handlungsfähig zu bleiben, wenn man sich ständig behaupten und rechtfertigen muss: nicht wegen der Sache, sondern wegen der Strukturen. 

Strategien, um zu bleiben 

An dem Abend blieb es jedoch nicht bei der Beschreibung von Missständen. Ein wichtiger Teil des Gesprächs drehte sich um die Strategien, die sich die Politikerinnen im Laufe ihrer Arbeit angeeignet haben, um Angriffe einzuordnen, sich nicht kleinmachen zu lassen, handlungsfähig zu bleiben und ein Netzwerk an Unterstützer*innen zu knüpfen. 

Dabei ging es um klare Grenzen, Selbstschutz und die Vorbereitung auf Konflikte, aber auch darum, nicht jedes Gefecht allein auszutragen. Immer wieder wurde deutlich: Widerstandsfähigkeit entsteht nicht durch Härte, sondern durch Rückhalt. 

Solidarität, Netzwerke und ein bewusster Umgang mit Macht

Ein zentrales Motiv des Abends war die Solidarität unter Frauen. Netzwerke wurden nicht als nettes Extra beschrieben, sondern als politisches Fundament. Als Orte, an denen Wissen weitergegeben wird, Zweifel ausgesprochen werden dürfen und Kraft gesammelt wird - und an denen man sich gegenseitig den Rücken stärkt, wenn der Ton rauer wird. Wie ein freundliches Gesicht und ein ermutigendes Lächeln auch über die Fraktionsgrenzen hinweg in Gremien und Ausschüssen stärkt und trägt. Wo Frauen Frauen unterstützen, für ein besseres Klima in der Politik. 

Ebenso offen wurde über Macht gesprochen. Nicht abstrakt, sondern konkret: Wie Macht wirkt, wie sie verletzt, wie sie absichert - und wie wichtig ein machtsensibler, bewusster Umgang damit ist. Machtmittel einzusetzen wurde nicht als Widerspruch zu feministischer Politik verstanden, sondern als notwendiger Teil davon. Entscheidend ist, wofür und wie Machtmittel genutzt werden. 

Ein Abend, der nachwirkt 

So war „Frauen!Macht!Politik!“ ein mutmachender Abend mit einem ruhigen, klaren Austausch über politische Realitäten. Viele der Anwesenden nahmen nicht nur neue Gedanken mit, sondern auch das Gefühl, mit ihren Erfahrungen nicht allein zu sein. Zugleich zeigte der Abend, wie wichtig innere Räume sind, in denen Frauen ihre politische Arbeit reflektieren können, ehrlich, solidarisch und ohne taktische Rücksichten. Der Abend machte Mut, weiter sichtbar zu bleiben, Netzwerke zu pflegen und Macht nicht anderen zu überlassen. So lautete das Resümee des Abends: „Für eine paritätische Aufstellung auf den Listen der nächsten Wahlen. Nur Mut, Frauen! Die Hälfte der Macht gehört uns! 


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