Kreisverband, Bockhorn, Jeverland, Sande, Schortens, Varel, Wangerooge, Zetel

40 Jahre Tschernobyl: Grüne erinnern und mahnen am 23. April in Bockhorn

06.04.2026 · von Rüdiger Schaarschmidt

In der Nacht des 26. April 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk Tschernobyl der weltweit schwerste Unfall in der zivilen Nutzung der Atomenergie. Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor 40 Jahren war eine historische Zäsur, mit Folgen, die bis heute andauern. Wissenschaftliche Langzeitstudien weisen über 90.000 Todesfälle durch strahlungsbedingten Krebs und weitere Spätfolgen der örtlichen Bevölkerung und der Einsatzkräfte nach. 

Der Reaktor in Tschernobyl im Sarkophag. Fotos: Pixabay

Noch immer ist der havarierte Reaktor nicht beseitigt, zuletzt hatte sich die Situation weiter verschärft. Nachdem die erste Schutzhülle nach wenigen Jahres marode war, wurde ein zweiter Sarkophag gebaut und 2006 über die immer noch hochgradig strahlende Ruine des havarierten Reaktors geschoben. Im Februar 2025 wurde die Schutzhülle von einer russischen Drohne schwer beschädigt. Im Dezember 2025 kam die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) zu dem Schluss: Die Hülle ist nicht mehr dicht. 

In Deutschland gibt es in der Politik seit dem Regierungswechsel in Berlin vor einem Jahr gleichwohl immer wieder Stimmen, die eine Rückkehr zur friedlichen Nutzung der Atomenergie fordern. Die Wirtschaft hingegen zeigt wenig Interesse, zumal Strom aus Atomkraft um ein mehrfaches teurer ist als regenerative Energien. Außerdem gibt es in Deutschland nach wie vor kein sicheres Endlager für radioaktiven Müll. Viele Experten sehen die Zukunft deshalb in Wind- und Solarenergie, die 2025 weltweit erstmals mehr Strom als aus Kohle erzeugt hat. 

In Wilhelmshaven und Friesland löste die Katastrophe damals eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die Initiative „Kinder von Tschernobyl“ wurde gegründet, um Hilfsgüter nach Weißrussland zu transportieren und Kindern eine Auszeit zu ermöglichen. Viele Jahre lang ermöglichte in den 1990er Jahren die Initiative weißrussischen Kindern einen Erholungsaufenthalt in Wilhelmshaven und Friesland. Die Grünen in Friesland wollen den 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April deshalb nutzen, um auf die andauernden Gefahren hinzuweisen: Die Atomkraft birgt zahlreiche Risiken sowohl vor, nach und beim Betrieb. Auch entsteht dabei der gefährlichste Müll der Menschheit: hochradioaktiver Atommüll. „Es gibt mehr als genug Gefahren und ungelöste Probleme, die gegen die Atomkraft sprechen: Reaktorunfälle, gefährliche Transporte, wachsende strahlende Müllberge, die Weiterverbreitung der Atombombentechnologie sowie die Gefahr terroristischer Anschläge“, sagte dazu die Kreisvorsitzender Grünen in Friesland, Dr. Jutta Helmerichs. Technisch und wirtschaftlich ist die Atomenergie weltweit ein Auslaufmodell. Uran ist ein begrenzter Rohstoff wie Öl und Gas. „Wenn heute von einer Renaissance der Atomkraft in einigen Ländern die Rede ist, wird gern verschwiegen, dass das nur mit staatlicher Unterstützung in Märkten, in denen kaum Wettbewerb herrscht, oder mit Dumpingpreisen funktioniert und zumeist Abhängigkeit von Diktaturen bedeutet,“ stellte die Bockhorner Ratsfrau und Vorstandsmitglied der Grünen in Friesland, Waltraud Voß, fest.

Für die Grünen gilt deshalb wie schon bei der Parteigründung vor fast fünfzig Jahren: „Atomkraft? Nein Danke.“ Als zentrale Veranstaltung „40 Jahre Tschernobyl“ ist in Friesland deshalb am Donnerstag, den 23. April ab 13 Uhr ein Informationsstand auf dem Bockhorner Marktplatz geplant. Die Bürgerinnen und Bürger aus Friesland sind eingeladen, dort mit den Kritikern der Atomenergie ins Gespräch zu kommen. Weitere Informationen unter https://gruene-friesland.de/.


Diesen Artikel teilen: Facebook Twitter